Tag 6: Setlist-Rotation in Aberdeen

Der sechste Tag beginnt in Aberdeen. Bei bestem Wetter ging es etwas gemütlicher zu als an den Tagen zuvor. Am Abend gab es dann eine äußerst umgestellte Selist zu hören, was ich beim dritten Konzert meiner Tour natürlich positiv aufgenommen habe.

Aberdeen: Graue Industriestadt voller Öl?

Aberdeen hat nicht den Ruf, eine große Touristenattraktion darzustellen. Vielmehr ist die Stadt als eine der europäischen Öl-Städte bekannt und so sind die Plattformen zur Ölförderung vom Stadtstrand aus zu sehen. Dieser Strand war gestern sehr gut besucht. 17°C und strahlenden Sonnenschein habe ich nicht unbedingt erwartet, als ich in den Norden Schottlands aufgebrochen bin. Doch die Möglichkeit auf einige Sonnenstrahlen habe ich natürlich gerne genutzt.

Zum Strand sind es aus dem Zentrum nur ungefähr 20 Gehminuten. Dass die Temperaturen bereits dem schottischen Hochsommer entsprechen, war unschwer an der Kleidung erkennbar: Während ich im T-Shirt vor allem aufgrund des Windes immer wieder unsicher war, ob die Jacke im Hotel wirklich besser aufgehoben ist, setzen die schottischen Frauen bereits auf Miniröcke und Tops ohne Ärmel. Ich habe mich dieser Einstellung zum Wetter dann angeschlossen und standesgemäß ein Eis in der Sonne genossen.

Hochsommerliche Temperaturen in The Garage

Das Konzert des Tages fand in The Garage statt – einer absoluten Traditionslocation in Aberdeen. Der Einlass war jedoch nichts für empfindliche Augen. Bereits um 18 Uhr ging es aus gleisendem Tageslicht ab ins Dunkel. Nur eine Stunde später standen dann bereits die Arkells auf der Bühne und machten mir erneut viel Freude.

Zu Beginn von Franks Auftritt gab es dann direkt eine kleine Überraschung: Statt Blackout wurde das Set diesmal mit 1933 eröffnet. Der Wechsel war durchaus angebracht, denn Blackout fühlte sich an dieser Stelle auch beim zweiten Konzert wie ein Song des Intros an und passte dort einfach nicht so recht hin. Auf 1933 folgten mit Get Better und The Next Storm die beiden besten Songs des (noch) aktuellen Albums Positive Songs for Negative People und sorgten direkt für Stimmung. Garniert wurde der gute Einstieg durch Recovery sowie das Tour-Debüt von Plain Sailing Weather. Eine Song-by-Song-Einschätzung zur Setlist gibt es dann am Ende dieses Artikels.

Die Stimmung in Dublin und Belfast war bereits sehr gut, doch Aberdeen stellte das Ganze in den Schatten. Die Singalongs waren deutlich lauter und es war deutlich mehr Bewegung im Publikum. Das lag vielleicht auch an der Location. Denn The Garage ist ein sehr klassischer Club – hohe Temperatur, kaum Luft, niedrige Decke, winzige Bühne. Für mich war Aberdeen das bislang beste Konzert dieser Tour.

Setlist Play by Play

An dieser Stelle möchte ich kurz die Einschätzung zur aktuellen Setlist abgeben. Diese hat sich wie eingangs erwähnt deutlich verändert, doch ich gehe davon aus, dass das Grundgerüst unverändert bleibt.

1. 1933: Den deutlich politisch motivierten Song gab es bereits auf der Solo-Tour von Frank im vergangenen Jahr immer wieder zu hören. In der Livefassung mit den Sleeping Souls legt er erfreulicherweise nochmal deutlich an Tempo zu. Auch als Opener macht 1933 durchaus Spaß.
2. Get Better: Einer meiner Lieblingssongs von Positive Songs for Negative People. Get Better ist ein sehr klassischer Song von Frank, der auch seinen Weg beschreibt und deshalb nicht zufällig als Titel für seine Dokumentation verwendet wurde. An dieser Position ist er für mich optimal platziert und sorgt für den frühen ersten Stimmungshöhepunkt.
3. The Next Storm: Ein weiterer Song von Positive Songs for Negative People. Bei der damaligen Tour wurde er häufig als Opener eingesetzt, doch auch an Position drei bin ich damit glücklich.
4. Recovery: Einer DER Frank Songs und einer der Gründe, weshalb ich vor 3 Jahren zum Fan geworden bin. Absoluter Stimmungsgarant.
5a. Plain Sailing Weather: „Give me one fine day of plain sailing weather – I could fuck up anything”. Ich bekomme das zwar auch unabhängig vom Wetter hin, doch Plain Sailing Weather überzeugt mich sowohl textlich als auch musikalisch jedes Mal aufs Neue.
5b. Losing Days: Ein Song, der für mich gerne immer im Set bleiben könnte, an dieser Stelle auf jeden Fall passend und nochmal stimmungsvoller als Plain Sailing Weather.
6. Make America Great Again: Nach 1933 der zweite Song vom neuen Album. Textlich ist er auf jeden Fall ganz oben dabei (‚Let’s Make America Great Again by making racists ashamed again‘) und er passt auch gut zur aktuellen globalen Situation. Dass dieser Song ausgerechnet von Frank stammt, ist für mich noch gewöhnungsbedürftig. Das sieht übrigens auch ein Fan aus Kalifornien so, mit dem ich mich im Rahmen des Auftritts in Belfast unterhalten habe.
7. Be More Kind: Ein weiterer Song vom neuen Album. Nach Make America Great Again ebenfalls gut platziert. In der Full-Band-Version ist er jedoch klanglich immer noch ungewohnt. Ich hätte den Song akustisch erwartet.
8. I Am Disappeared: Ein Song über das Vorhaben, eines morgens aufzubrechen und zu verschwinden. Großartig. Kommt aus irgendeinem Grund in Großbritannien nochmal besser an als in Deutschland.
9. The Road: Man nkönnte den Song durchaus als Titelsong von Frank bezeichnen. Er beschreibt, wie er dauernd unterwegs ist und nur so trotz aller Widrigkeiten glücklich werden kann.
10. If Ever I Stray: Noch ein Lieblingssong. Grundtenor: Wenn ich mal vom Weg abkomme dann sorgtdafür, dass ich wieder auf die richtige Bahn gelange.
11. Reasons not to be an Idiot: Ein weiterer „Hit“, der beschreibt, dass man sich auch in schlechten Zeiten nicht hängen lassen sollte.
12. Glory Halleluja: Hier hätten wir einen klassischen Frank Song, den ich zwar thematisch mag und der definitiv für Frank steht (There is no god, so clap your hands together). Ich muss aber auch zugeben, dass er mich musikalisch ein bisschen langweilt.

Nach dem relativ ähnlichen Start auf allen derzeitigen Konzerten folgt ein Block mit Songwünschen und sehr viel Abwechslung. So kommt es, dass ich auf meinen fünf Konzerten insgesamt 36 verschiedene Songs zu hören bekam. Ob es sich lohnt, mehr als ein Konzert von Frank zu besuchen? Oh ja.

18. Blackout: Zum Tourstart in Irland hatten wir diesen Song noch als Opener. Stimmung kam dabei nicht auf – er fühlte sich deutlich deplatziert an. An dieser Stelle nach einem Akustikpart weiß er aber durchaus zu überzeugen.
19. Out of Breath: Ein Song, der mir nicht zu 100% zusagt. Allerdings dient er als Übergang ins sehr temporeiche Finale und sorgt auch für die ersten Circlepits.
20. Photosynthesis: Zum Abschluss des Sets nochmal ein klassischer Frank-Song: Eingängige Melodie, starke Aussage, großartiger Singalong. Perfekt.

Nun gehört Frank im Gegensatz zu den Foo Fighters und den Imagine Dragons noch zu den Künstlern, die nach 1,5 Stunden von der Bühne gehen und kurz warten, bis das Publikum seinen Wunsch nach einer Zugabe äußert. Im nördlichen Großbritannien tut es das durch den Ausruf „One more tune“. Ich bevorzuge zwar die Variante der Foo Fighters, eine Verschnaufpause ist aber gar nicht so schlecht.

21. I Knew Prufrock Before he Got Famous: Ein ehemaliger Opener, der auch zu Beginn der Zugabe gut platziert ist.
22. I Still Believe: Der Song über die Hoffnung, dass Rock’n’Roll doch noch alles besser macht. Ich würde ihn zwar lieber als Closer sehen, aber er sorgt generell für grandiose Stimmung. Dabei ist es egal, wann und wo er gespielt wird.
23. Four Simple Words: Bringt die Stimmung immer wieder zum Überkochen und ist am Ende auch absolut richtig platziert.
24. Polaroid Picture (Songbook): Beim ersten Konzert meiner Tour war ich mehr als irritiert, dass es nach Four Simple Words noch zu einem Rausschmeißer kommt. Nun mag ich Polaroid Picture zwar, aber nach dem Stimmungshöhepunkt bei Four Simple Words fühlt sich der Song sehr ungewohnt und unpassend an. Zudem verfügt Frank mit The Ballad of me and my Friends über einen deutlich besseren Rausschmeißsong.

Insgesamt ist die Setlist sehr stimmig. Mit The Way I Tend to Be fehlt bei meiner Aufzählung ein Lied, das zu den absoluten Hits zählt. Dieses wird (leider) meist im Rahmen des Akustikparts als Alternativversion von der Songbook-Compilation gespielt. Zwar sorgt diese Version auch für grandiose Singalongs, mir fehlt die klassische Interpretation aber sehr.