Tag 1: Zum Auftakt nach Dublin

Da ist sie ja endlich! Am heutigen Sonntag begann auch für mich endlich die Frank Turner Be More Kind Tour 2018. Über neun Monate nach meinem letzten Frank-Konzert in Erlangen ging es für mich am Nachmittag von München aus nach Dublin. Bereits nach den ersten sechs Stunden in dieser Stadt bin ich sehr zuversichtlich, dass es sich um einen guten Trip handelt.

Direkt ins Herz geschlossen

Die Anreise könnte sich in Dublin kaum leichter gestalten. Der Lufthansa-Direktflug ab München war pünktlich, der Tee war gut und auch die Sitzreihe am Notausgang entpuppte sich schnell als gute Wahl. Dort hat man nicht nur die Möglichkeit, zwischendurch mal die Tür zum Lüften zu öffnen, sondern bringt seine Knie auch mit 1,85 m ohne Quetschungen an einen weit entfernten Ort.

In Dublin angekommen bleibt die Leichtigkeit erhalten. Direkt vor dem Terminal fahren die Busse für nur 7 EUR in einer knappen halben Stunde Fahrtzeit ins Zentrum. Der Weg von der Bushaltestelle zum Hotel dauert zu Fuß auch nur wenige Minuten. Einzig das Wetter ist noch nicht ganz so einladend – die Wolken drohen seit meiner Ankunft mit Regen.

 

Doch abgesehen davon überzeugt Dublin bisher. Die Menschen sind auf den ersten Blick freundlicher und herzlicher als in Manchester oder London und auch kulinarisch war der Weg zu Boojum, einer irischen Kette mexikanischer Restaurants, die an Taco Bell erinnert, eine gute Wahl für schnelles Essen. Standesgemäß gab es vor dem Konzert deshalb einen Burrito mit Reis, Gemüse und Rindfleisch – eine absolut gute Wahl, wenn auch für Fastfood zum Preis von 9 EUR inklusive einer Flasche Wasser nicht ganz günstig.

Die Location der ersten beiden Konzerte, The Academy, könnte kaum einen besseren Eindruck machen. Mit einer Kapazität für ungefähr 800 Besucher handelt es sich um echte Clubkonzerte. Da SeeTickets.com leider daran gescheitert ist, mein Ticket pünktlich zu versenden, war eine Abholung an der Abendkasse nötig. Doch auch das war unkompliziert – auch wenn es hier in Irland kleinere Verständigungsprobleme bei meinem Nachnamen gibt.

An der Bar wurde ich dann direkt positiv überrascht. Auf den Wunsch „I’ll have some water, please“ erhielt ich die Antwort „There you go, it’s free!“. Als deutscher Konzertbesucher war das für mich ein völlig neues und ungewohntes Erlebnis. Auf deutschen Konzerten sind Preise jenseits der 4 EUR für 0,4 Liter Wasser keine Seltenheit.

Es gibt sie doch: Liebe auf den ersten Blick

Ich gebe es ja zu: Ich habe bis zum heutigen Abend nicht an die Liebe auf den ersten Blick geglaubt und habe diese Lebenseinstellung immer für oberflächlichen Quatsch gehalten. Doch bei der heutigen Vorband wurde ich eines besseren belehrt. Während Derek Zanetti aká Homeless Gospel Choir als durchaus politischer Songwriter einen guten Einstieg in den Abend darstellte, hat es zwischen der zweiten Vorband des Abends, den grandiosen Arkells, und mir direkt gefunkt.

Stilistisch kann man die immer noch recht jungen Kanadier irgendwo in der Nähe der Killers ansiedeln und auch der Auftritt sieht sehr nach Las Vegas aus. Dazu verkörpert Max Kerman den Frontmann, den sich jeder wünscht: Die freudestrahlende Rampensau. Die Vorfreude auf fünf weitere Auftritte der Arkells könnte kaum größer sein.

Vorfreude meets Skepsis

Man kennt das ja, wenn man einen guten Freund über einen längeren Zeitraum nicht gesehen hat. Man freut sich zwar, hat aber auch Angst, dass sich der Gegenüber verändert hat. Dieses Gefühl gibt es auch beim Lieblingskünstler. So ist mein letztes Konzert wie eingangs beschrieben nicht nur viel zu lang her. Frank Turner und seine Sleeping Souls haben auch noch an einem neuen Album getüftelt und die ersten Songs veröffentlicht, sodass bei aller Vorfreude natürlich auch Skepsis angebracht war.

Grundsätzlich ist es natürlich so, dass sich jeder Musiker und jede Band immer weiterentwickeln und sich die Besten der Besten immer wieder neu erfinden. Für uns Fans ist das nicht immer leicht – vergleicht man das neue Schaffenswerk doch immer mit den Songs, die man bereits seit Jahren liebt. So ist das auch bei Frank Turner und dem neuen Album „Be More Kind“. Von den vier bisher bekannten Songs des neuen Albums und des im Herbst veröffentlichten ‚There she is‘ war ich dementsprechend bislang nicht überzeugt. Beim Live-Auftritt war dann alles halb so schlimm – die Songs fügen sich mal mehr, mal weniger gut ins Set ein, trüben die Stimmung aber keineswegs. Eine detaillierte Meinung zur Setlist gibt es im morgigen Post zum zweiten Konzert. Ja, das war ein Teaser.

Das Auftaktkonzert der Be More Kind Tour war auf jeden Fall ein voller Erfolg. Denn egal wie viele neue Songs ins Set aufgenommen werden – Frank Turner hat immer mindestens 10 meiner absoluten Lieblingssongs im Gepäck. Und die wurden auch heute angemessen zelebriert.